Lebenssinn statt Geld

„Pedro", 50, ausgebildeter Primarlehrer, Biochemiker, Informatiker, Masseur und Gesprächstherapeut, engagiert sich für Tel 143 seit 2004.

In welcher Phase Deines Lebens hast du mit ehrenamtlicher Tätigkeit begonnen?
Mit 16 Jahren habe ich angefangen, mich in der christlichen Jugendarbeit des Cevi zu engagieren und blieb für 18 Jahre dabei. Dort lernte ich auch das urschweizerische System eines Vereins kennen, was mir spätere Engagements in verschiedenen Vereinen erleichterte.

Gab es oder gibt es verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten im Verlauf deines Lebens?
Ja. Eine evtl. unvollständige Auswahl aus meiner Jugend und jüngster Vergangenheit: Leitertätigkeit in der christlichen Jugendarbeit des Cevi; Präsident des Trägervereins Kulturclub Lebewohlfabrik; 2004-heute Mitarbeit bei der Dargebotenen Hand; 2005-heute Vorstandstätigkeit im
Schweizerischen Berufsverband für Esalenmassage; 2005-heute Vorstandstätigkeit für den Quartierbauernhof Weinegg.

Was motiviert Dich, unentgeltlich für Die Dargebotene Hand tätig zu sein?
Zu Beginn wollte ich herausfinden, ob ich das kann, mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein Stück Weg gehen, ihnen zuhören, das aushalten. Damals war ich in einer therapeutischen Ausbildung und konnte mir nicht vorstellen, wirklich in diesem neuen Berufsfeld Fuss zu
fassen.
Heute, nach einigen Jahren Erfahrung bei der DH, bin ich immer wieder gerne für die Anrufenden am Telefon da. Ich habe erfahren, dass nur schon meine Präsenz, mein Zuhören und Miterleben während eines Telefongesprächs für den anrufenden Menschen eine Erleichterung, Freude und Entlastung ist.

Was sind die Unterschiede für dich zur
bezahlten (Berufs-)Arbeit/Tätigkeit?

Da ich kein Geld erhalte, fühle ich mich autonomer und mehr wertgeschätzt als in der bezahlten Berufssituation und trete auch sicherer und selbstbewusster auf. Der einzige Grund, warum ich mich für diese Arbeit engagiere, ist meine Freude daran, meine Bereitschaft, meine Zeit dafür
einzusetzen.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen ehrenamtlicher und bezahlter (Berufs-) Arbeit/Tätigkeit?
Ja, ich verdiene etwas, in der ehrenamtlichen Tätigkeit ist es Lebenssinn statt Geld. Vor allem bei einem Wechsel in die Selbstständigkeit vor 11 Jahren wurde mir bewusst, wie wichtig es ist zu wissen, wofür ich morgens aufstehe, mich tagsüber einsetze und abends nach gelebtem Tag
darauf zurückschauen kann.