In welcher Phase deines Lebens hast du mit ehrenamtlicher Tätigkeit begonnen?
Mitte 40, nach einer persönlichen Krise. Ich wollte nicht mehr im Labor arbeiten und mein Interesse galt immer stärker der sozialen Arbeit. Da ich aber als Familienvater von drei Kindern auf meinen 100-Prozent-Job angewiesen war, konnte ich nicht einfach aussteigen. Zufällig hörte ich dann von Der Dargebotenen Hand. Ich rief rief bei der Stelle Basel an und da gerade neue Mitarbeitende gesucht wurden, konnte ich sofort in die Ausbildung einsteigen. Für mich war das ein guter Kompromiss: Weiter im Labor zu arbeiten und nebenbei etwas im Sozialbereich zu tun.   

Was motiviert dich, unentgeltlich für Die Dargebotene Hand tätig zu sein?
Aus meiner Vergangenheit und Krise habe ich sehr viel gelernt. Es wäre schade, wenn ich meine Erfahrungen nicht für andere Menschen einsetzen könnte und bei Der Dargebotenen Hand kann ich das immer wieder tun.

Was sind die Unterschiede für dich zur bezahlten (Berufs-) Arbeit? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen ehrenamtlicher und bezahlter (Berufs-) Arbeit?
Als Arbeitsnehmer bin ich verpflichtet eine bestimmte Zeit des Tages in der Firma zu sein. Die ehrenamtliche Arbeit hingegen absolviere ich, wenn ich Zeit dazu habe. Das heisst aber nicht, dass meine Arbeit beim Tel 143 mir weniger wichtig ist, als die im Labor. Ich mache beide gewissenhaft.

Welches sind die positiven Erfahrungen der ehrenamtlichen Tätigkeit?
Die meisten Menschen, die beim Tel 143 anrufen, brauchen eine Gesprächspartnerin, einen Gesprächspartner. Durch die Anonymität ist das Gespräch offen und unbelastet. Positiv ist, dass viele der Anruferinnen und Anrufer mit uns über Dinge reden können, die sie sonst niemandem erzählen würden. Da wir nicht direkt involviert sind, können wir objektiv sein.
Gibt es allenfalls auch kritische Erfahrungen?
Es gibt immer wieder Anrufende, die versuchen, ihre Aggressionen an uns auszulassen, oder erwarten, dass wir für sie ein Rezept gegen all ihre Probleme haben. Das sind nur ein paar Beispiele und wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht überschätzen.
Hast du Empfehlungen für Menschen, die sich unentgeltlich für eine Organisation einsetzen möchten?
Man sollte sich nur dann engagieren, wenn man sich 100 Prozent sicher ist, dass es von Herzen kommt und dass es dir selbst und den Ratsuchenden gut tut. 

Hat dein Umfeld Kenntnis von deiner Tätigkeit?  Wie sind die Reaktionen?
Nur meine Frau, meine Kinder und meine vertrautesten Freunde wissen von meiner Tätigkeit beim Tel 143. Die Reaktionen sind sehr positiv und meine Kinder sind stolz auf mich.